Fürchtet Euch nicht! Die indonesische Moral

Gehorsamst melde ich mich aus der Stadtschreiberpause und Indonesien zurück. Im März werde ich nachsitzen und freue mich schon auf die nächsten Wochen hier in der Welserstadt, an der Salzburgerstraße nun, nachdem sie mir meine alte Bleibe unter dem Hintern weggerissen haben. So oft habe ich im Februar an meine beschwingte, inspirierende, skurrile Zeit im Hotel Greif gedacht, an die wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte und die tollen Veranstaltungen vom Kulturverein „Waschaecht“, für die dieser sehr zurecht mit dem österreichischen Kunstpreis 2018 ausgezeichnet worden ist. Als ich in Surabaya meine Writer in Residence-Behausung bezog, war ich schon viel geübter darin als damals im November in Wels, traf wieder unzählige neue Menschen und war wieder überfordert mit der mir fremden Kultur (beispielsweise als ich bei einem Beschneidungs-Fest neben dem zu ehrenden zehnjährigen Buben zu sitzen kam, ein mit bunten Spiegeln bekleidetes Pferd um mich herumtanzte und mir das ganze Dorf Speisen servierte). Wieder wohnte ich alleine in einem Hotel, diesmal aber in einer Villa mit zwei Pools, einem Wellness-Center, weißlivrierten Butlern und radschlagenden Pfauen, die sich in meinem tropischen Garten angeberisch aufplusterten und dabei doch nur lächerlich wirkten. Surabaya ist die zweitgrößte Stadt Indonesiens, also ähnlich wie Wels, wenn man Indonesien mit OÖ gleichsetzen möchte. Vor allem aber gibt es in Surabaya Ampeln, in denen ein Countdown anzeigt, wie lange es noch rot ist, genauso wie beim Fußgängerübergang der Ringstraße. Erstaunlicherweise halten sich die indonesischen Autofahrer genauso korrekt daran wie die Fußgänger in Wels, obwohl diese gerne auch noch bei Grün stehenbleiben und ängstlich ein letztes Mal links und rechts schauen, damit auch wirklich nichts passiert. Ich weiß, das ist gemein, aber ein paar Mal hab ich echt lachen müssen vor so viel Welser Vorsicht. Es ist ja auch wirklich gefährlich geworden, in der Stadt, habe ich oft gehört. Lasst euch versichert sein: das ist es nicht. Alles ist fein und wir haben es ganz wunderbar hier. Freut euch, dass ihr in einer lebenswerten, sicheren Stadt wohnt und sucht bitte keine Probleme, wo es keine gibt. Wenn wirklich welche auftauchen, dann lasst uns gemeinsam Lösungen dafür suchen, und keine Angst davor haben. Angst ist keine Lösung, ist die Moral, die ich aus Indonesien mitgenommen habe. Einem Land, in dem man den großen wirtschaftlichen Aufbruch, der ihm bevorsteht, geradezu körperlich fühlen kann. Aber was weiß man schon nach ein paar Wochen in der Fremde, traue ich mir doch selbst nach zwei Monaten in Wels noch kein Urteil über die Stadt zu. Das wird sich nun ändern, denn in der Zwischenzeit ist der Stadtführer Wels von Sebastian Fasthuber erschienen und den werde ich nun schnellstens kaufen. Dann werde ich meine neue Bleibe im Black Horse Inn beziehen – und schon geht es auf in die nächsten Abenteuer, das erste Mal garniert mit Sonne und Frühlingsluft. Ich freue mich darauf!

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