Der Stadtschreiber kauft sich einen Reiseführer

Mitte Februar erscheint im Kral-Verlag der „Stadtführer Wels“ von Sebastian Fasthuber. 176 Seiten hat dieser erste Welser Stadt-Erlebnis-Führer. Ich habe mir gerade einen gleich dicken Reiseführer für Indonesien gekauft. Indonesien hat 17.000 Inseln, 265 Millionen Einwohner, eine Länge über 5.000 Kilometer und ist das viertgrößte Land der Welt. Spätestens seit Adalbert Stifter wissen wir aber, dass im Kleinen immer auch das Große zu finden ist, weshalb für Wels die 176 Seiten nicht ausreichen und Fasthuber bereits an einer erweiterten zweiten Auflage arbeitet, in der verraten wird, welcher Spottname für die Welser im Grimm’schen Wörterbuch steht und warum der Schlagzeuger der Rolling Stones immer wieder in Wels zu Gast war. Die wahrscheinlich meistgesehene Welserin der Welt hat übrigens auch mit den Stones zu tun, ein Foto von ihr ist am Cover des Albums „No Security“ abgebildet.

Schade, dass ich den Wels-Reiseführer nicht mehr vor meinem Abflug nach Indonesien kaufen kann, so gerne hätte ich mich damit auf den Weg gemacht! Wie Christoph Kolumbus, der mit penibel zusammengetragenen Unterlagen zu Indien die Karibik bereiste und sich die Wirklichkeit so zurechtbog, dass sie dazu passte. Das ist gar nicht so lächerlich, wie es klingt, denn nichts Anderes tun wir tagtäglich, indem wir nur das wahrnehmen, was in unser vorgefertigtes Weltbild passt. Mit dem falschen Reiseführer am falschen Kontinent sehen wir genauso wie Kolumbus nur das, was wir sehen wollen. Vielleicht beginnt die Neuzeit ja deswegen mit der Entdeckung Amerikas.

Meine Zeit in Wels wollte ich vor zwei Monaten allerdings so offen wie möglich beginnen und kam ohne Reiseführer hierher (vor allem auch, weil es noch keinen gab). Völlig unvorbereitet und unvoreingenommen begann ich alles selbst zu entdecken und wollte vermeiden, dass ich die Welser „Indianer“ nannte, nur weil ich sie mir vorher so vorgestellt hatte. In den letzten Monaten musste ich aber feststellen, wie anstrengend es sein kann, ohne Bezugssystem, ohne Schublade oder Kästchen Erfahrungen sammeln zu müssen. Wenn man nichts einordnen kann, bleibt alles liegen. Man schwebt im luftleeren Raum, kann selbst nicht eingeordnet werden und macht sich damit erst recht verdächtig. Im März, wenn ich aus Indonesien zurückgekommen sein werde, kann ich mir dann den richtigen Reiseführer kaufen, darauf freue ich mich. Die offizielle Präsentation des Buchs ist am 19. März um 19 Uhr in der Buchhandlung Haas, vormerken! Zuvor sehen wir uns vielleicht am Sonntag, den 3. Februar um 18 Uhr im Spiegelsaal des Hotel Greif, bevor das Haus dann abgerissen wird. Als Vorgruppe des grandiosen Jazz-Pianisten Jamie Saft werde ich Teile meines neuen Romans vortragen, die ich in meinem Jugendherbergseinzelzimmer geschrieben habe. Im März lesen wir dann wieder einander. Bis dahin: Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut und einen schönen Februar!

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